Was ist Radon?
Radon (Rn-222) ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das durch den Zerfall von Uran im Boden entsteht. Da es farb- und geruchlos ist, bleibt es für den Menschen unbemerkt. Dennoch kann Radon zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko werden, wenn es in hohen Konzentrationen in Innenräumen vorkommt.
Wie gelangt Radon in Gebäude?
Radon steigt aus dem Erdreich auf und kann durch undichte Stellen in Gebäuden eindringen. Besonders gefährdet sind Räume im Erdgeschoss und Keller, da das Gas durch Risse in Fundamenten, Bodenplatten sowie durch undichte Rohrdurchführungen in das Gebäude gelangen kann. Eine unzureichende Belüftung – die gerade in Kellerräumen häufig vorkommt – kann die Radonkonzentration zusätzlich erhöhen.
Warum ist Radon gefährlich?
Beim Zerfall von Radon entstehen radioaktive Partikel, die sich in der Luft verteilen. Werden diese Partikel eingeatmet, lagern sie sich im Lungengewebe ab und setzen dort ionisierende Strahlung frei. Langfristig kann dies die Zellen schädigen und das Risiko für Lungenkrebs erhöhen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist Radon nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs.
Grenzwerte und Gesundheitsrisiko
Um das Gesundheitsrisiko zu minimieren, empfiehlt die WHO einen Referenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Luft (Bq/m³). In der Schweiz liegt der gesetzliche Maximalwert bei 300 Bq/m³ im Jahresmittel für Räume, in denen sich Personen regelmässig mehrere Stunden aufhalten. Liegt die Radonkonzentration über dem Grenzwert, ist der Eigentümer zu einer Sanierung verpflichtet.
Radonbelastung in der Schweiz
Radonkarte des Bundesamts für Gesundheit
Die Radonkarte zeigt die geschätzte Radonbelastung in verschiedenen Regionen der Schweiz. Sie basiert auf Messwerten und geologischen Daten und dient als Orientierungshilfe, um das potenzielle Risiko an einem bestimmten Standort einzuschätzen. Die Karte ist in Farbzonen unterteilt: Je dunkler das Rot, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass an dem entsprechenden Standort die Grenzwerte für Radonbelastung überschritten werden.
Erfahren Sie die Radonbelastung an Ihrem Standort in der Schweiz mit der interaktiven Radonkarte des Bundes: https://map.geo.admin.ch/#/map?lang=de¢er=2677356.21,1210743.61&z=1.882&topic=ech&layers=ch.bag.radonkarte&bgLayer=ch.swisstopo.pixelkarte-grau
Welche Regionen sind besonders von Radon betroffen?
Radon tritt in der Schweiz nicht überall gleich häufig auf. Besonders betroffen sind Regionen mit durchlässigem Boden und verwittertem, radonfreisetzenden Gestein (Granit, Kalkstein). Besonders betroffen sind das Wallis, das Tessin, der Jura (insbesondere der Kanton Jura sowie Teile der Kantone Neuenburg und Waadt) und Graubünden, vor allem in den alpinen Tälern. Auch im Berner Oberland und im Entlebuch (Kanton Luzern) wurden vielerorts erhöhte Werte gemessen.
Im Mittelland ist die Belastung insgesamt geringer, jedoch können auch dort lokal hohe Konzentrationen auftreten – etwa in Gebieten mit porösem Untergrund oder in schlecht belüfteten Gebäuden. Die genaue Belastung lässt sich nur durch eine Messung in der jeweiligen Liegenschaft bestimmen.
Radonbelastung messen
Messgeräte und Methoden
Die Radonbelastung in Innenräumen lässt sich am zuverlässigsten mit einem Radon-Detektor messen. Dabei handelt es sich meist um kleine, passive Messgeräte, die für einen bestimmten Zeitraum in einem häufig genutzten Raum (z. B. Schlafzimmer oder Wohnzimmer) aufgestellt werden. Die Messung sollte idealerweise während der Heizperiode stattfinden, da dann die Raumluft weniger durchlüftet wird und so ein realistisches Bild der Radonkonzentration entsteht. Nach Ablauf der Messdauer wird der Detektor zur Auswertung an ein Labor geschickt, das die durchschnittliche Radonkonzentration in Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) angibt.
Es gibt zwei Hauptoptionen für die Messung:
- Langzeitmessung (empfohlen): über mindestens 90 Tage, für eine zuverlässige Beurteilung der Jahresmittelwerte – vor allem relevant für Wohnhäuser oder Arbeitsplätze.
- Kurzzeitmessung: über 10–30 Tage, liefert einen ersten Hinweis, ist aber weniger genau und nicht als Entscheidungsgrundlage für bauliche Massnahmen geeignet.
Zusätzlich gibt es elektronische Radonmessgeräte, die kontinuierlich Werte aufzeichnen und Trends sichtbar machen. Sie eignen sich gut zur Verlaufskontrolle, ersetzen aber keine präzise Langzeitmessung. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann geprüfte Messkits bei zertifizierten Anbietern beziehen.
Radon-Grenzwerte verstehen
In der Schweiz gilt ein Referenzwert von 300 Bq/m³ für die Radonkonzentration in Innenräumen. Dieser Wert bezieht sich auf eine mittlere Konzentration bei einer typischen Nutzungsdauer von 7’000 Stunden pro Jahr – also etwa 19 Stunden pro Tag, wie es in dauerhaft genutzten Wohn- oder Arbeitsräumen der Fall ist.
Wird dieser Wert bei einer Messung überschritten, bedeutet das nicht automatisch, dass auch die effektive Radonbelastung überschritten wird. Entscheidend ist die Expositionsdauer: Ein Kellerraum mit 600 Bq/m³ Radon stellt zum Beispiel kein grosses Risiko dar, wenn er nur eine Stunde pro Tag genutzt wird.
Radon in der eigenen Immobilie
Pflichten als Hauseigentümer
Wird in einem Raum eine Radonkonzentration über dem Referenzwert von 300 Bq/m³ gemessen, ist der Eigentümer gesetzlich verpflichtet, Massnahmen zur Reduktion der Radonbelastung zu ergreifen. Die Massnahme hängt von der Belastung, der Nutzung des Raumes und den Gegebenheiten der Liegenschaft ab:
- Betriebliche Massnahmen: Reduktion der Aufenthaltsdauer im betroffenen Raum oder die Verlagerung von Aktivitäten in weniger belastete Bereiche.
- Umnutzung des Raumes: Ein Raum mit hoher Belastung kann vom Aufenthaltsraum zum Lagerraum umfunktioniert werden.
- Bauliche Sanierung: Z.B. Abdichtungen gegen den Boden, Verbesserung der Belüftung oder Einbau eines Radonbrunnens.
Die Dringlichkeit der Sanierung richtet sich nach der Höhe der gemessenen Radonkonzentration und der tatsächlichen Nutzung des Raumes. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat dazu in der Wegleitung zur Strahlenschutzverordnung konkrete Fristen für Sanierungen festgelegt – je höher die Belastung und je intensiver die Nutzung, desto kürzer die Frist.
Massnahmen gegen Radon
Mehr lüften
In einfacheren Fällen reicht es bereits, das Lüftungsverhalten anzupassen. Regelmässiges, gezieltes Lüften – vor allem durch Querlüften – kann die Radonkonzentration deutlich reduzieren.
Umnutzung betroffener Räume
Manchmal kann auch die Nutzung des Raums angepasst werden. Wird ein stark belasteter Raum nur selten verwendet, kann eine Umnutzung in einen Lager- oder Technikraum eine Option sein. Dadurch sinkt die tatsächliche Strahlenexposition deutlich, ohne dass sofort bauliche Eingriffe nötig sind.
Sanierungsmassnahmen
Wenn die Radonwerte jedoch dauerhaft und deutlich über dem Referenzwert von 300 Bq/m³ liegen, ist eine bauliche Sanierung notwendig. Ziel ist es, das Eindringen von Radon aus dem Untergrund zu verhindern oder zu reduzieren. Die häufigsten baulichen Massnahmen sind das Abdichten von Fugen, Rissen oder Rohrdurchführungen, die Verbesserung der Bodenplatte oder der Einbau von Belüftungssystemen.
Eine besonders wirkungsvolle Methode ist der sogenannte Radonbrunnen. Dabei wird unter dem Gebäude – meist unter der Bodenplatte – ein Hohlraum oder ein Schacht angelegt, der durch ein Rohrsystem mit der Aussenluft verbunden ist. Mithilfe eines Ventilators entsteht ein leichter Unterdruck unter dem Gebäude, der verhindert, dass Radon aus dem Boden in das Haus aufsteigt. Stattdessen wird das Gas nach draussen abgesaugt. Der Radonbrunnen eignet sich besonders für Gebäude mit hohem Radonpotenzial im Untergrund und bietet eine dauerhafte, technisch bewährte Lösung zur Radonreduktion.
Kosten für eine Radonsanierung
Der finanzielle Aufwand für eine Sanierung kann je nach Gebäudezustand und Umfang der Massnahmen zwischen wenigen Tausend Franken bis zu mehreren Zehntausend Franken liegen. Manchmal lässt sich eine Radonsanierung mit ohnehin anstehenden Renovationen kombinieren, was Aufwand und Kosten reduziert.
