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Bewertung bebauter Grundstücke – Unterschiede und Besonderheiten im Vergleich zu unbebauten Grundstücken

Von Benjamin Steiner
Lesezeit: 4 Minuten

Bewertung bebauter Grundstücke im Vergleich zu unbebauten: Erfahren Sie, welche Methoden angewendet werden, welche Faktoren den Wert beeinflussen und worauf Eigentümer achten sollten.

Das Wichtigste in Kürze
  1. Bei bebauten Grundstücken setzt sich der Wert aus Bodenwert und Gebäudewert zusammen.

  2. Die Bewertung bebauter Grundstücke ist deutlich komplexer als jene unbebauter Parzellen.

  3. Zustand, Ertragskraft und Nutzungspotenzial beeinflussen den Marktwert entscheidend.

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Die Bewertung von Grundstücken ist ein zentrales Thema für Eigentümerinnen und Eigentümer, Kaufinteressierte sowie Investoren. Während bei unbebauten Grundstücken vor allem Lage, Grösse und baurechtliche Möglichkeiten entscheidend sind, spielen bei bebauten Grundstücken deutlich mehr Faktoren eine Rolle.

Im Folgenden erfahren Sie, wie sich die Bewertung bebauter Grundstücke von unbebauten unterscheidet, welche Methoden zur Anwendung kommen und worauf Sie als Eigentümerin oder Eigentümer besonders achten sollten.


1. Grundsätzliches zur Grundstücksbewertung

Ein Grundstückswert setzt sich immer aus mehreren Komponenten zusammen. Entscheidend sind insbesondere:

  • Lage (Makro- und Mikrolage)

  • Grundstücksfläche

  • Zonenzugehörigkeit und Ausnützungsziffer

  • Marktsituation

  • Angebot und Nachfrage

  • Erschliessung (Strasse, Wasser, Strom etc.)

Bei einem unbebauten Grundstück konzentriert sich die Bewertung primär auf diese Faktoren. Bei einem bebauten Grundstück kommt jedoch eine wesentliche zusätzliche Komponente hinzu: die bestehende Immobilie.


2. Bewertung unbebauter Grundstücke

Bei unbebauten Grundstücken wird häufig der sogenannte Vergleichswertansatz angewendet. Dabei werden tatsächlich erzielte Verkaufspreise ähnlicher Grundstücke in vergleichbarer Lage herangezogen.

Bewertungsrelevante Faktoren

  • Bodenpreis pro Quadratmeter

  • Bebaubarkeit (Zonenordnung, Ausnützungsziffer)

  • Topografie (Hanglage, Ebenheit)

  • Erschliessungsgrad

  • Altlasten oder Bauauflagen

Der Wert ergibt sich im Wesentlichen aus:

Grundstücksfläche × Quadratmeterpreis

Das Verfahren ist relativ transparent – vorausgesetzt, es existieren genügend Vergleichstransaktionen.


3. Bewertung bebauter Grundstücke

Bei bebauten Grundstücken wird zwischen Bodenwert und Gebäudewert unterschieden. Das Grundstück selbst hat weiterhin einen eigenständigen Wert, zusätzlich wird jedoch die bestehende Bebauung bewertet.

Hier kommen drei klassische Bewertungsmethoden zum Einsatz:

3.1 Vergleichswertverfahren

Auch bei Einfamilienhäusern oder Eigentumswohnungen wird häufig mit Vergleichswerten gearbeitet. Vergleichbar sind jedoch nur Objekte mit ähnlicher:

  • Lage

  • Baujahr

  • Wohnfläche

  • Zustand

  • Ausbaustandard

Je einzigartiger ein Objekt ist, desto schwieriger wird dieses Verfahren.


3.2 Sachwertverfahren

Dieses Verfahren wird oft bei selbstgenutzten Immobilien angewendet.

Der Wert setzt sich zusammen aus:

  • Bodenwert

  • Wiederherstellungswert des Gebäudes

  • Abzüglich Altersentwertung

  • Zuzüglich allfälliger Marktanpassung

Hier wird also berechnet, was ein Neubau heute kosten würde – unter Berücksichtigung der Abnutzung.


3.3 Ertragswertverfahren

Bei Renditeobjekten (Mehrfamilienhäuser, Gewerbeimmobilien) ist das Ertragswertverfahren entscheidend.

Berechnung:

  • Nachhaltiger Mietertrag

  • Abzüglich Kosten

  • Kapitalisierung mit marktüblichem Zinssatz

Hier steht nicht die Bausubstanz im Vordergrund, sondern die Ertragskraft der Immobilie.


4. Zentrale Unterschiede: Bebaut vs. unbebaut

Kriterium Unbebautes Grundstück Bebautes Grundstück
Bewertungsbasis Bodenwert Bodenwert + Gebäudewert
Komplexität Relativ einfach Deutlich komplexer
Bewertungsmethoden Vergleichswert Vergleichs-, Sach- oder Ertragswert
Einflussfaktoren Lage, Baurecht Zusätzlich Zustand, Baujahr, Ertrag

Wesentliche Unterschiede im Detail

  1. Zustand und Alter der Immobilie
    Der bauliche Zustand kann den Wert erheblich beeinflussen – positiv oder negativ.

  2. Renovationsbedarf
    Sanierungsstau reduziert den Marktwert deutlich.

  3. Nutzungsmöglichkeiten
    Ein älteres Gebäude kann unter Umständen wirtschaftlich weniger attraktiv sein als ein unbebautes Grundstück mit Neubaupotenzial.

  4. Abbruchobjekte
    In gewissen Lagen ist das Gebäude faktisch wertlos – der Markt bewertet primär das Land.


5. Wann ist ein bebautes Grundstück weniger wert als ein unbebautes?

Das klingt zunächst überraschend, ist jedoch realistisch.

In begehrten Lagen kann ein altes, schlecht erhaltenes Gebäude:

  • die Ausnützung des Grundstücks blockieren

  • energetisch veraltet sein

  • hohe Sanierungskosten verursachen

In solchen Fällen wird der Marktwert oft als Landwert minus Abbruchkosten berechnet.


6. Markt- und Lageeinfluss in der Schweiz

Gerade in der Schweiz spielen folgende Faktoren eine zentrale Rolle:

  • Baulandknappheit

  • Verdichtungsstrategien

  • Regionale Preisunterschiede

  • Zinssituation

  • Lokale Bauvorschriften

In urbanen Zentren übersteigt der Landwert oft deutlich den Gebäudewert. In ländlichen Regionen kann hingegen die Immobilie selbst den grösseren Wertanteil darstellen.


7. Warum eine professionelle Bewertung entscheidend ist

Eine fehlerhafte Bewertung kann:

  • zu überhöhten Preisvorstellungen führen

  • Verkaufsprozesse verzögern

  • Finanzierung erschweren

  • steuerliche Nachteile mit sich bringen

Gerade bei bebauten Grundstücken ist Fachwissen entscheidend, da mehrere Bewertungsmethoden kombiniert und marktkonform gewichtet werden müssen.


Fazit

Die Bewertung bebauter Grundstücke ist deutlich komplexer als jene unbebauter Parzellen. Während bei unbebauten Grundstücken primär Lage und Baurecht den Wert bestimmen, müssen bei bebauten Objekten zusätzlich Zustand, Alter, Nutzung und Ertragspotenzial berücksichtigt werden.

Für Eigentümerinnen und Eigentümer bedeutet dies: Eine fundierte, professionelle Bewertung ist unerlässlich, um den realistischen Marktwert korrekt zu bestimmen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

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Benjamin Steiner
Benjamin Steiner
Marketing Content Specialist

Benjamin hat einen Masterabschluss an der Universität Zürich und viele Jahre Erfahrung in der Erstellung und Redaktion von Texten. Für Neho und Strike recherchiert er aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in der Immobilienbranche und erklärt sie unseren Blog-Lesern auf verständliche Weise.

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Häufige Fragen

Das hängt von der Nutzung ab: Für selbstgenutzte Immobilien wird häufig das Sachwert- oder Vergleichswertverfahren angewendet, bei Renditeobjekten das Ertragswertverfahren.

Ja, insbesondere wenn das Gebäude stark sanierungsbedürftig ist oder die bauliche Ausnutzung des Grundstücks behindert.

Ja, bei professionellen Bewertungen wird der Bodenwert separat ermittelt und anschliessend mit dem Gebäudewert kombiniert.

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