Arrondierung im Baurecht: Definition, Zweck und Bedeutung für Grundeigentümer in der Schweiz

Von Bastien Liebgott
Lesezeit: 3 Minuten
Immobilie bewerten

Arrondierung im Baurecht: Was der Begriff bedeutet, wann eine Arrondierung sinnvoll ist und wie sie den Grundstückswert steigern kann.

Das Wichtigste in Kürze
  • Eine Arrondierung im Baurecht bezeichnet die Abrundung oder Zusammenlegung von Grundstücken, um eine effizientere Nutzung, bessere Grenzverläufe oder eine höhere Bebaubarkeit zu erreichen.
  • Arrondierungen sind im Baurecht besonders relevant bei Splitterflächen, ungünstigen Grundstückszuschnitten und in Gebieten, in denen die Gemeinde eine Quartierplanung oder Umstrukturierung plant.
  • Durch eine Arrondierung kann der Wert des Grundstücks steigen, weil die vergrösserte oder begradete Fläche besser bebaubar und erschliessbar wird.

Was bedeutet Arrondierung im Baurecht?

Der Begriff Arrondierung stammt vom französischen «arrondir» – abrunden. Im Schweizer Baurecht bezeichnet die Arrondierung die Zusammenlegung, Anpassung oder Neuordnung von Grundstücken, um eine effizientere Nutzung zu ermöglichen. Typischerweise werden dabei angrenzende Flächen in ein bestehendes Grundstück einbezogen oder ungünstig geschnittene Parzellen so umgeformt, dass sie bebaubar, bewirtschaftbar oder besser erschliessbar werden.

Die Arrondierung gehört zu den Instrumenten der Bodenordnung und wird sowohl im städtischen Kontext (Quartierplanung, Verdichtung) als auch im ländlichen Bereich (Landwirtschaft, Flurbereinigung) eingesetzt. Für Grundeigentümer ist sie relevant, weil sie den Wert eines Grundstücks verändern, die Nutzungsmöglichkeiten erweitern und die Grundbuchverhältnisse klären kann.

Wann ist eine Arrondierung sinnvoll?

Eine Arrondierung ist in mehreren Situationen sinnvoll oder sogar notwendig.

Splitterflächen und ungünstige Zuschnitte

Splitterflächen – auch Schikanierzwickel genannt – sind Grundstücke, die aufgrund ihrer Lage oder ihres Zuschnitts nicht selbständig bebaubar sind: zu schmale Streifen, Einbuchtungen oder Restflächen zwischen bestehenden Parzellen. Diese Flächen haben als eigenständige Grundstücke oft nur einen geringen Wert, können aber durch Arrondierung – also die Zusammenlegung mit dem Nachbargrundstück – dessen Wert und Nutzbarkeit erheblich steigern.

Baulandumlegung und Quartierplanung

Im Rahmen von Quartierplänen und Baulandumlegungen setzen Gemeinden Arrondierungen ein, um eine zonengerechte Überbauung zu ermöglichen. Wenn mehrere kleine, ungünstig geschnittene Parzellen ein zusammenhängendes Baugebiet blockieren, können sie durch eine Landumlegung so neu zugeschnitten werden, dass alle Grundstücke bebaubar werden. Die Gemeinde hat für solche Massnahmen ein gesetzliches Instrument – der Quartierplan verpflichtet die Eigentümer unter bestimmten Voraussetzungen zur Mitwirkung.

Verbesserung der Erschliessung

Eine Arrondierung kann auch dazu dienen, die Erschliessung eines Grundstücks zu verbessern – etwa indem eine Zufahrtsfläche einbezogen wird, die bisher einem anderen Eigentümer gehörte. Ohne gesicherten Zugang ist ein Grundstück schwer zu nutzen und schwer zu verkaufen; die Arrondierung löst dieses Problem dauerhaft.

Rechtliche Grundlagen

Die Arrondierung ist in den kantonalen Planungs- und Baugesetzen geregelt. Im Kanton Zürich beispielsweise ermöglicht das Planungs- und Baugesetz (PBG) die Durchführung von Quartierplänen mit Grenzbereinigungen und Landumlegungen. Die betroffenen Grundeigentümer müssen grundsätzlich zustimmen – bei öffentlichem Interesse kann die Gemeinde die Umlegung aber auch gegen den Willen einzelner Eigentümer durchsetzen, sofern eine angemessene Entschädigung geleistet wird.

Im privaten Bereich können Grundeigentümer eine Arrondierung jederzeit einvernehmlich durchführen: Sie vereinbaren die Grenzänderung, lassen die neuen Grenzen durch einen Geometer vermessen und die Änderung im Grundbuch eintragen. Die Kosten für Geometer und Grundbucheintrag betragen je nach Umfang CHF 2'000 bis 10'000.

Arrondierung und Grundstückswert

Eine Arrondierung kann den Wert eines Grundstücks erheblich verändern. Die Zusammenlegung einer Splitterfläche mit dem Nachbargrundstück kann die bebaubare Fläche vergrössern und damit den Wert steigern. Eine Grenzbereinigung, die einen besseren Grundriss schafft, macht das Grundstück für Käufer attraktiver. Umgekehrt kann der Eigentümer einer Splitterfläche, die für den Nachbarn von grossem Nutzen ist, beim Verkauf einen überproportionalen Preis erzielen – weil der Nachbar einen höheren Wert aus der Arrondierung generiert als der Eigentümer aus der isolierten Fläche.

In der Praxis werden Arrondierungsflächen oft zu Preisen gehandelt, die deutlich über dem gewöhnlichen Quadratmeterpreis liegen – gerade wenn die Fläche das Nachbargrundstück erst bebaubar macht oder die Ausnützung erhöht.

Fazit

Die Arrondierung ist im Baurecht ein oft unterschätztes Instrument, das den Wert und die Nutzbarkeit von Grundstücken gezielt verbessern kann. Ob Splitterfläche, ungünstiger Grundriss oder fehlende Erschliessung – die Abrundung und Neuordnung von Parzellen löst baurechtliche Probleme, die auf anderem Weg kaum zu beheben sind. Prüfen Sie bei Ihrem Grundstück, ob eine Arrondierung in Frage kommt – und nutzen Sie das Gespräch mit dem Nachbarn als ersten Schritt.

Bastien Liebgott
Bastien Liebgott
Digital Manager

Nach seinem Abschluss in Informatik und einem Master in Webmarketing hat Bastien mehrere Jahre Erfahrung bei einer Webagentur als Content-Manager gesammelt. Er schloss sich dem Marketing-Team an, um die Website von Neho zu optimieren und die Sichtbarkeit der Agentur auf den Suchmaschinen zu verbessern.

Haben Sie diese Artikel schon gelesen?

Kontaktieren Sie Ihr Team vor Ort

Wir stehen für Fragen, Beratung und Unterstützung bei Ihrem Verkauf zu Ihrer Verfügung.