Funktioniert eine Wärmepumpe im Altbau?
Die Frage, ob eine Wärmepumpe im Altbau funktioniert, wird häufig mit Skepsis beantwortet – zu Unrecht. Eine fünfjährige Langzeitstudie des Fraunhofer ISE an 77 Bestandsgebäuden zeigt: Das Alter eines Gebäudes hat keinen nachweisbaren Einfluss auf die Effizienz der Wärmepumpe. Die untersuchten Häuser waren 15 bis 170 Jahre alt und erreichten Jahresarbeitszahlen (JAZ) von 2,6 bis 5,4. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur – und die lässt sich in vielen Altbauten mit überschaubarem Aufwand optimieren.
In der Schweiz, wo rund die Hälfte aller Wohngebäude vor 1980 gebaut wurde und viele noch mit Öl oder Gas heizen, ist die Wärmepumpe im Altbau ein zentrales Thema der Energiewende. Die Kantone fördern den Umstieg grosszügig, und die steigenden CO₂-Abgaben auf fossile Brennstoffe machen den Verbleib bei der Ölheizung zunehmend teuer.
Die Vorlauftemperatur: Der entscheidende Faktor
Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt direkt von der Vorlauftemperatur ab – also der Temperatur, auf die das Heizwasser erwärmt werden muss. Je tiefer die Vorlauftemperatur, desto effizienter arbeitet die Wärmepumpe. Als wärmepumpengeeignet gilt ein Gebäude, wenn es mit einer Vorlauftemperatur von maximal 50 bis 55 °C ganzjährig ausreichend warm wird.
In vielen Altbauten liegt die Vorlauftemperatur bei 60 bis 70 °C – weil die alten Heizkörper klein dimensioniert sind und die Gebäudehülle schlecht gedämmt ist. Das bedeutet aber nicht, dass eine Wärmepumpe ausgeschlossen ist. Mehrere Massnahmen können die benötigte Vorlauftemperatur senken: eine Dach- und Fassadendämmung (reduziert den Heizwärmebedarf und damit die nötige Vorlauftemperatur), der Austausch einzelner, unterdimensionierter Heizkörper gegen grössere Modelle (erzielen die gleiche Wärmeleistung bei tieferer Vorlauftemperatur) oder der Einbau von Fussbodenheizung in einzelnen Räumen (Wohnzimmer, Bad).
Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen (mit R290-Kältemittel) erreichen Vorlauftemperaturen bis 75 °C und können damit auch unsanierte Altbauten mit bestehenden Heizkörpern beheizen – allerdings mit geringerer Effizienz (JAZ rund 2,5 bis 3,0 statt 3,5 bis 4,5 bei tieferer Vorlauftemperatur).
Kosten der Wärmepumpe im Altbau
Die Investitionskosten einer Luft-Wasser-Wärmepumpe für einen Altbau liegen in der Schweiz bei CHF 28'000 bis 50'000 – je nach Heizleistung, Aufstellungsort und allfälligen Begleitmassnahmen (Heizkörpertausch, Warmwasserspeicher). Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdsonde) ist effizienter, aber teurer: CHF 45'000 bis 65'000 inklusive Bohrung. Die kantonale Förderung liegt bei CHF 4'000 bis 15'000, der steuerliche Abzug als energetische Massnahme reduziert die Nettokosten weiter um 25 bis 35 Prozent. Effektiv zahlt ein Eigentümer für den Umstieg von Öl auf eine Luft-Wasser-Wärmepumpe oft CHF 15'000 bis 30'000 netto.
Die laufenden Kosten sind deutlich tiefer als bei der Ölheizung: Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe im Altbau liegt bei CHF 1'200 bis 2'500 pro Jahr – gegenüber CHF 2'500 bis 4'500 für Heizöl. Die Ersparnis summiert sich über 20 Jahre auf CHF 25'000 bis 40'000.
Schritt für Schritt zur Wärmepumpe im Altbau
Prüfen Sie an einem kalten Wintertag, ob Ihr Haus mit einer Vorlauftemperatur von 50 bis 55 °C ausreichend warm wird – senken Sie die Vorlauftemperatur an der Heizung probeweise ab. Lassen Sie einen GEAK-Plus-Bericht erstellen, um den Zustand der Gebäudehülle und das Optimierungspotenzial zu ermitteln. Holen Sie drei bis fünf Offerten von spezialisierten Installateuren ein. Stellen Sie den Förderantrag vor Baubeginn – nachträgliche Anträge werden nicht bewilligt. Und planen Sie die Investition steuerlich: Der Abzug als energetische Massnahme ist bis Ende 2028 bei der direkten Bundessteuer vollumfänglich möglich.
Fazit
Eine Wärmepumpe im Altbau funktioniert – das ist wissenschaftlich belegt und in tausenden Schweizer Häusern erprobt. Der Schlüssel ist die Vorlauftemperatur: Liegt sie unter 55 °C, arbeitet die Wärmepumpe hocheffizient. Bei höherem Bedarf helfen Hochtemperatur-Modelle oder gezielte Begleitmassnahmen (Dämmung, Heizkörpertausch). Die Investition von CHF 28'000 bis 50'000 wird durch Förderung, Steuerabzüge und tiefere Betriebskosten in 8 bis 12 Jahren amortisiert.