Haus bauen und verkaufen: Finanzierung, Kalkulation und was Sie als Bauherr-Verkäufer wissen müssen

Von Bastien Liebgott
Lesezeit: 3 Minuten
Immobilie bewerten

Haus bauen und verkaufen: Wie die Finanzierung funktioniert, wie Sie die Rendite kalkulieren und welche Risiken beim Bauen zum Verkauf zu beachten sind.

Das Wichtigste in Kürze
  • Die Finanzierung beim Haus bauen und verkaufen unterscheidet sich grundlegend vom Eigenheimkauf: Banken verlangen höheres Eigenkapital (30–40 Prozent) und prüfen die Verkaufbarkeit des Projekts.
  • Wer ein Haus baut und verkauft, muss Landkosten, Baukosten, Finanzierungskosten und Vermarktungskosten kalkulieren – die Gewinnmarge liegt typischerweise bei 10 bis 20 Prozent des Verkaufspreises.
  • Das grösste Risiko beim Haus bauen und verkaufen ist die Marktveränderung während der Bauzeit: Sinken die Preise oder steigen die Zinsen, kann die Kalkulation kippen.

Was bedeutet «Haus bauen und verkaufen»?

Ein Haus zu bauen und zu verkaufen – also nicht für den Eigenbedarf, sondern als Anlage oder Geschäftsmodell – ist in der Schweiz eine unternehmerische Tätigkeit mit eigenen Regeln. Die Finanzierung unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Eigenheimkauf, die Kalkulation muss Kosten, Risiken und Rendite im Gleichgewicht halten, und die steuerlichen Konsequenzen sind anders als bei einem normalen Hausverkauf.

In der Schweiz bauen sowohl professionelle Bauträger und Totalunternehmer als auch Privatpersonen Häuser zum Verkauf. Für Private stellt sich die Frage, ob sie steuerlich als gewerbsmässige Liegenschaftshändler eingestuft werden – mit erheblichen Konsequenzen für die Gewinnbesteuerung.

Finanzierung: Andere Regeln als beim Eigenheim

Banken finanzieren den Bau eines Hauses zum Verkauf anders als ein Eigenheim. Beim Eigenheimkauf reichen 20 Prozent Eigenkapital; bei einem Bau zum Verkauf verlangen die meisten Banken 30 bis 40 Prozent Eigenkapital. Der Grund: Die Bank kann nicht sicher sein, dass das Haus zum kalkulierten Preis und im geplanten Zeitrahmen verkauft wird. Das Risiko ist höher – und die Bank will es durch mehr Eigenkapital abfedern.

Die Finanzierung erfolgt in der Regel als Baukredit, der in Tranchen nach Baufortschritt ausbezahlt wird. Die Zinsen auf den Baukredit laufen ab der ersten Auszahlung und summieren sich über die Bauzeit – typischerweise 12 bis 18 Monate für ein Einfamilienhaus. Nach Fertigstellung wird der Baukredit in eine Hypothek umgewandelt, falls das Haus nicht sofort verkauft wird.

Manche Banken verlangen zusätzlich den Nachweis, dass der Bauherr bereits Erfahrung mit ähnlichen Projekten hat oder ein professionelles Baumanagement eingesetzt wird. Für Erstlinge ohne Track Record ist die Finanzierung entsprechend schwieriger zu erhalten.

Kalkulation: So rechnen Sie richtig

Die Kalkulation beim Haus bauen und verkaufen umfasst vier Hauptkostenpositionen. Die Landkosten bilden die grösste Position – in der Agglomeration Zürich kann das Land 50 bis 60 Prozent des Gesamtprojekts ausmachen. Die Baukosten (Neubau Einfamilienhaus) liegen in der Schweiz bei CHF 3'500 bis 5'000 pro Quadratmeter Wohnfläche, abhängig vom Ausbaustandard. Die Finanzierungskosten (Baukreditzinsen, Bereitstellungszinsen) summieren sich je nach Projektdauer auf 2 bis 4 Prozent der Gesamtkosten. Die Vermarktungskosten (Makler, Inserate, allenfalls Home Staging) liegen bei 2 bis 5 Prozent des Verkaufspreises.

Die Gewinnmarge muss all diese Kosten plus eine angemessene Risikoprämie abdecken. Bei professionellen Bauträgern liegt die Zielrendite typischerweise bei 10 bis 20 Prozent des Verkaufspreises. Für Privatpersonen, die ein einzelnes Haus bauen und verkaufen, ist eine konservative Kalkulation besonders wichtig, weil sie das Risiko eines einzelnen Projekts nicht auf mehrere Vorhaben verteilen können.

Steuerliche Konsequenzen

Wer in der Schweiz ein Haus baut und verkauft, muss sich mit der Frage auseinandersetzen, ob der Gewinn als Grundstückgewinn (kantonal besteuert) oder als Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit (Bundes- und Kantonssteuer plus AHV-Beiträge) behandelt wird. Die Steuerbehörden prüfen anhand mehrerer Kriterien, ob gewerbsmässiger Liegenschaftshandel vorliegt: Häufigkeit der Transaktionen, Haltedauer, Finanzierungsstruktur, berufliche Nähe zur Baubranche und systematisches Vorgehen.

Wird eine Transaktion als gewerbsmässig eingestuft, fallen statt der Grundstückgewinnsteuer Einkommenssteuern auf Bundes- und Kantonsebene plus AHV-Beiträge an. Die Gesamtbelastung kann dadurch deutlich höher ausfallen. Eine vorgängige steuerliche Beratung ist bei Bau-und-Verkauf-Projekten dringend empfohlen.

Risiken beim Haus bauen und verkaufen

Das grösste Risiko ist die Marktveränderung während der Bauzeit. Sinken die Immobilienpreise um 5 bis 10 Prozent – was auch in der Schweiz innerhalb von 12 bis 18 Monaten möglich ist –, kann die gesamte Gewinnmarge aufgefressen werden. Steigende Zinsen reduzieren den Käuferkreis, weil die Tragbarkeit für potenzielle Käufer sinkt. Und Bauverzögerungen oder Kostensteigerungen (Materialpreise, Handwerkerengpässe) treffen den Bauherrn direkt.

Fazit

Ein Haus zu bauen und zu verkaufen ist ein unternehmerisches Vorhaben mit eigenem Risikoprofil. Die Finanzierung erfordert mehr Eigenkapital als beim Eigenheimkauf, die Kalkulation muss alle Kosten und Risiken abdecken, und die steuerlichen Konsequenzen können erheblich sein. Wer diesen Weg geht, sollte konservativ kalkulieren, professionelle Unterstützung beiziehen und das Marktrisiko nicht unterschätzen.

Bastien Liebgott
Bastien Liebgott
Digital Manager

Nach seinem Abschluss in Informatik und einem Master in Webmarketing hat Bastien mehrere Jahre Erfahrung bei einer Webagentur als Content-Manager gesammelt. Er schloss sich dem Marketing-Team an, um die Website von Neho zu optimieren und die Sichtbarkeit der Agentur auf den Suchmaschinen zu verbessern.

Haben Sie diese Artikel schon gelesen?

Kontaktieren Sie Ihr Team vor Ort

Wir stehen für Fragen, Beratung und Unterstützung bei Ihrem Verkauf zu Ihrer Verfügung.

(+41) 43 588 01 00