/ Blog

Ertragswert einer Liegenschaft berechnen: So ermitteln Sie den tatsächlichen Wert Ihrer Immobilie

Von Benjamin Steiner
Lesezeit: 6 Minuten

Ertragswert von Liegenschaften einfach erklärt: So berechnen Sie den tatsächlichen Wert Ihrer Immobilie anhand der Mieterträge.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Ertragswert zeigt den wirtschaftlichen Wert einer Liegenschaft, indem er die künftig erzielbaren Mieterträge in den heutigen Wert umrechnet.

  • Die Ertragswertmethode eignet sich besonders zur Bewertung von Renditeobjekten und berücksichtigt Erträge, Kosten und das Risiko über den Kapitalisierungssatz.

  • Ein korrekt berechneter Ertragswert ermöglicht Eigentümern und Investoren eine fundierte Entscheidung über Kauf, Verkauf oder Investition einer Liegenschaft.

immobilie verkaufen

Was bedeutet der Ertragswert einer Liegenschaft?

Der Ertragswert ist der Wert einer Liegenschaft, der sich aus den künftig erzielbaren Einnahmen ableitet. Während für Eigennutzer meist der emotionale oder praktische Nutzen einer Liegenschaft im Vordergrund steht, geht es für Investoren alleine um die wirtschaftliche Rentabilität. Der Ertragswert hilft also dabei, eine Liegenschaft als Kapitalanlage objektiv zu bewerten.

Unterschied des Ertragswerts zu Sachwert und Vergleichswert

Die Ertragswertmethode unterscheidet sich von anderen Bewertungsverfahren:

  • Der Sachwert einer Liegenschaft basiert auf den Wiederbeschaffungskosten (Baukosten und Bodenwert). 
  • Der Vergleichswert ergibt sich aus real erzielten Verkaufspreisen ähnlicher Objekte.
  • Der Ertragswert hingegen konzentriert sich auf die zukünftigen Mieterträge und ist damit ein Verfahren speziell für Renditeobjekte wie Mehrfamilienhäuser, Gewerbeliegenschaften oder vermietete Eigentumswohnungen.
     

Warum der Ertragswert einer Liegenschaft wichtig ist

Für Käufer und Investoren ermöglicht der Ertragswert eine realistische Einschätzung der Rentabilität. Für Verkäufer dient er als Grundlage, um einen marktkonformen Preis zu bestimmen. 

 

Die Ertragswertmethode: Das Fundament der Immobilienbewertung

Die Ertragswertmethode bildet den Kern der professionellen Immobilienbewertung, wenn es um Ertragsliegenschaften geht. Sie beantwortet die Frage: Wie viel ist eine Liegenschaft heute wert, wenn man die zukünftigen Erträge berücksichtigt, die sie abwirft?

Grundprinzip der Methode

Die Ertragswertmethode folgt dem wirtschaftlichen Prinzip, dass der Wert einer Anlage vom zukünftigen Nutzen abhängt. Dieser Nutzen wird in Geldform – den erwarteten Mieterträgen – ausgedrückt und auf den heutigen Zeitpunkt abgezinst.

Die Ertragswertformel

Die Berechnung des Ertragswerts erfolgt im einfachsten Fall nach der folgenden Formel:

Ertragswert = Reinertrag / Kapitalisierungssatz

Damit wird der jährlich erzielte Reinertrag ins Verhältnis gesetzt zu einem Zinssatz, der die Attraktivität und das Risiko der Anlage widerspiegelt. 

 

Schritt-für-Schritt: So berechnen Sie den Ertragswert Ihrer Liegenschaft

Schritt 1: Bruttomietertrag ermitteln

Zunächst wird der jährliche Bruttomietertrag berechnet – also die Summe aller Mieteinnahmen aus der Vermietung. Dazu gehören:

  • Nettomieten aller Einheiten
  • Einnahmen aus Parkplätzen oder Nebennutzungen
  • Pacht- oder Untervermietungserlös
     

Schritt 2: Betriebskosten und Leerstände abziehen

Von diesem Bruttomietertrag müssen die Bewirtschaftungskosten abgezogen werden. Dazu zählen:

  • Unterhalts- und Verwaltungskosten
  • Rückstellungen für Sanierungen
  • Leerstandsrisiken (geschätzt anhand des regionalen Marktes)
  • Versicherungs- und Betriebskosten, die nicht auf die Mieter umgewälzt werden können

Das Ergebnis ist der Reinertrag, also der Betrag, der dem Eigentümer tatsächlich verbleibt.

Schritt 3: Den Kapitalisierungssatz bestimmen

Der Kapitalisierungssatz (auch Diskontierungssatz genannt) beeinflusst den Ertragswert einer Liegenschaft direkt. Die realistische Bestimmung des Kapitalisierungssatzes ist daher entscheidend für eine genaue Bewertung der Liegenschaft. 

Zusammensetzung des Kapitalisierungssatzes

Der Kapitalisierungssatz setzt sich in der Regel aus drei Komponenten zusammen:

  1. Basiszins: orientiert sich an langfristigen Staatsanleihen (risikoarme Anlageform) oder Hypothekarzinsen.
  2. Risikozuschlag: berücksichtigt Lage, Zustand, Baujahr, Marktliquidität und Vermietbarkeit.
  3. Inflations- bzw. Wachstumsfaktor: reflektiert die erwartete Entwicklung der Mieten und Preise.

Beispielhafte Bandbreiten

  • In Zürich oder Genf: ca. 3–4 %, aufgrund hoher Nachfrage und geringerem Risiko.
  • In ländlichen Regionen: oft 5–6 %, da Leerstandsrisiken und geringere Nachfrage berücksichtigt werden müssen.

Ein niedriger Kapitalisierungszins führt zu einem höheren Ertragswert. Gleichzeitig reflektiert ein niedriger Kapitalisierungssatz eine höhere Rendite, aber auch ein höheres Risiko. 

 

Schritt 4: Ertragswert der Liegenschaft berechnen

Beispiel:
Reinertrag: CHF 45’000
Kapitalisierungszins: 4,5 %
Ertragswert = 45’000 / 0.045 = CHF 1’000’000

Dieser Betrag entspricht dem theoretischen Marktwert, den ein Investor bereit wäre zu zahlen, um die Liegenschaft zu erwerben und die künftigen Erträge zu sichern.

 

Den Nutzungswert berechnen – bei selbstgenutzten Immobilien

Während bei vermieteten Liegenschaften reale Mieterträge zugrunde liegen, muss bei selbstgenutzten Objekten ein sogenannter Nutzungswert geschätzt werden.

Definition des Nutzungswerts

Der Nutzungswert entspricht dem fiktiven Mietertrag, den ein Eigentümer erzielen würde, wenn er die Liegenschaft vermieten würde. Damit kann auch der wirtschaftliche Vorteil der Selbstnutzung in die Bewertung einfliessen.

Berechnung des Nutzungswerts

Zur Ermittlung des Nutzungswerts werden vergleichbare Mietobjekte herangezogen, wobei Faktoren wie:

  • Lage
  • Ausstattung
  • Wohnfläche
  • und Baujahr berücksichtigt werden.

Der Nutzungswert fließt anschliessend in die Ertragswertberechnung ein, um eine möglichst vollständige Bewertung der Liegenschaft zu erhalten.

 

Rendite und Ertragswert – zwei Kennzahlen, ein Ziel

Der Ertragswert zeigt, wie viel eine Liegenschaft aufgrund ihrer Erträge wert ist. Die Rendite hingegen misst die tatsächliche Rentabilität einer Investition.

Die Formel zur Renditeberechnung

Rendite = (Reinertrag / Kaufpreis) × 100

Ein Beispiel:
Kaufpreis: CHF 1’000’000
Reinertrag: CHF 45’000
→ Rendite = 4,5 %

Damit lässt sich beurteilen, ob sich der Kauf einer Liegenschaft lohnt – insbesondere im Vergleich zu alternativen Anlageformen.

Wie Ertragswert und Rendite einer Liegenschaft zusammenhängen

Ein höherer Ertragswert bedeutet tendenziell eine geringere Rendite, da der Kaufpreis im Verhältnis zu den Erträgen steigt. Anleger müssen daher immer abwägen, ob sie Wertstabilität (z. B. in städtischen Lagen) oder hohe Rendite, aber auch ein höheres Risiko (häufig in peripheren Regionen) bevorzugen.

 

Der Ertragswert im Schweizer Immobilienmarkt

Die Ertragswertmethode in der Schweiz ist weit verbreitet, vor allem bei professionellen Investoren, Banken und institutionellen Eigentümern.

Regionale Unterschiede

Die Schweiz zeichnet sich durch deutliche regionale Unterschiede aus:

  • In urbanen Zentren wie Zürich, Basel, Bern oder Lausanne sind die Kapitalisierungszinssätze sehr niedrig, da die Nachfrage nach Mietobjekten hoch und das Risiko gering ist.
  • In ländlichen Gebieten sind höhere Zinssätze üblich, was die Ertragswerte senkt.
     

Einfluss von Marktentwicklungen

Auch die Zinsentwicklung und die Inflation beeinflussen den Ertragswert einer Liegenschaft. Sinkende Zinsen führen zu höheren Ertragswerten, da zukünftige Erträge stärker gewichtet werden.

Gesetzliche und steuerliche Aspekte

In der Schweiz kann der Ertragswert auch bei der Steuerbewertung eine Rolle spielen – etwa bei der Vermögenssteuer. Die Berechnung erfolgt jedoch je nach Kanton nach unterschiedlichen Vorgaben.

 

Professionelle Immobilienbewertung: Warum sich Unterstützung lohnt

Die Ertragswertberechnung ist komplex – kleine Veränderungen im Kapitalisierungszins oder bei den Kostenannahmen können den Wert einer Liegenschaft um mehrere zehntausend Franken beeinflussen.

Typische Fehler bei der Eigenbewertung

  • unrealistisch angesetzte Mieten
  • zu tiefe Rückstellungen für Unterhalt
  • ein Kapitalisierungszins ohne Marktbezug.
     

Wie Neho Sie unterstützt

Neho bietet Eigentümerinnen und Eigentümern in der Schweiz eine kostenlose, datenbasierte Immobilienbewertung, bei der alle relevanten Faktoren berücksichtigt werden.

Dank modernster Analysen und lokaler Expertise erhalten Sie:

  • eine realistische Einschätzung des Immobilienwerts,
  • eine professionelle Grundlage für den Verkauf oder die Investition,
  • und persönliche Beratung durch erfahrene Immobilienexperten

👉 Ermitteln Sie jetzt kostenlos den Wert Ihrer Immobilie auf neho.ch.

 

Fazit

Die Ertragswertmethode ist das zentrale Instrument, um den wirtschaftlichen Wert einer Immobilie zu bestimmen. Sie berücksichtigt Erträge, Kosten, Risiken sowie Marktfaktoren und liefert damit die fundierteste Basis für Investitions- und Verkaufsentscheidungen.

Wer den Ertragswert seiner Liegenschaft berechnen möchte, sollte auf fundierte Daten, Markterfahrung und professionelle Unterstützung setzen. Mit Neho erhalten Sie genau das: eine präzise, unabhängige und transparente Bewertung, die Ihnen Klarheit über den tatsächlichen Wert Ihrer Immobilie verschafft.

immobilie verkaufen

Benjamin Steiner
Benjamin Steiner
Marketing Content Specialist

Benjamin hat einen Masterabschluss an der Universität Zürich und viele Jahre Erfahrung in der Erstellung und Redaktion von Texten. Für Neho und Strike recherchiert er aktuelle Ereignisse und Entwicklungen in der Immobilienbranche und erklärt sie unseren Blog-Lesern auf verständliche Weise.

Immobilie bewerten in 4 Minuten
  • Kostenlos und unverbindlich
  • Direkt online einsehbar
  • Mehr als 2'210'000 Bewertungen durchgeführt
Immobilie bewerten

Häufige Fragen

Der Ertragswert beschreibt den Wert einer Immobilie, der sich aus den künftigen Erträgen – meist Mieteinnahmen – ergibt. Er zeigt, wie rentabel eine Liegenschaft ist.

Diese Methode eignet sich vor allem für Renditeobjekte wie Mehrfamilienhäuser oder vermietete Eigentumswohnungen, bei denen die Erträge im Vordergrund stehen.

Ein niedriger Kapitalisierungssatz erhöht den Ertragswert, weil zukünftige Erträge stärker gewichtet werden. Er spiegelt Risiko, Lage und Markterwartungen wider.

Haben Sie diese Artikel schon gelesen?

Kontaktieren Sie Ihr Team vor Ort

Wir stehen für Fragen, Beratung und Unterstützung bei Ihrem Verkauf zu Ihrer Verfügung.

Violettes Logo der Immobilienagentur Neho
Möchten Sie Ihre Immobilie verkaufen?

Lokale Makler| 9'800 zufriedene Verkäufer|Festpreis von CHF 12'000