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Wo ist die Innovation im Immobiliensektor in der Schweiz?

Von Eric Corradin , 5. August 2022

In einer Welt, in der Technologie jeden Moment weitere Bereiche erfasst, erfinden sich alle Berufe nach und nach neu. Sie erfinden sich sogar selbst. Nachdem ehemals dominante Marktführer wie Kodak, Moulinex oder Nokia verschwunden sind, ist es offensichtlich, dass das Überleben von Unternehmen eng mit ihrer Innovationsfähigkeit verbunden ist. Was ist mit der schweizer Immobilienbranche? Wird diese Realität jetzt von den grossen Akteuren der Branche verstanden? Eine Bestandsaufnahme.

Kurz gesagt, Innovation war in den letzten Jahrzehnten in der Immobilienbranche sehr selten. Der wichtigste Fortschritt lag wahrscheinlich im Bereich Marketing und der Art und Weise, wie Informationen an ein Zielpublikum übermittelt werden. Das Aufkommen von Plattformen wie Homegate, ImmoScout oder Anibis hat die Machtverhältnisse neu definiert, indem sie Einzelpersonen die Mittel geben, andere direkt zu erreichen.

Damit haben sich die Privatverkäufe von Immobilien vervielfacht. Schätzungen zufolge verzichten heute 40 % der Immobilienverkäufer auf professionelle Unterstützung.

Allerdings haben sich diese Plattformen seit ihrem Erscheinen mangels echter Motivation nur sehr wenig weiterentwickelt. Sie geniessen eine beherrschende Stellung auf einem sehr lukrativen Markt und niemand scheint die Mittel zu haben, sie herauszufordern.

 

Aufgezwungene Evolution

Im Baubereich haben wir sicherlich „sanfte“ Innovationen erlebt, aber bei näherem Hinsehen handelt es sich um behördlich aufgezwungene Entwicklungen. Nehmen wir als Beispiel den Bereich ökologischer Verantwortung, einschliesslich der Verpflichtung für Neubauten, Solarmodule oder "saubere" Materialien einzubauen, die nachhaltiger für die Umwelt sind. In Bezug auf das Baustellenmanagement ermöglichen Visualisierungs- und Planungssoftware eine bessere Überwachung und effizientere Koordination zwischen den verschiedenen Parteien. Die Konstruktionen sind dann besser kontrolliert, robuster, langlebiger, aber zu viel höheren Kosten, mit der direkten Konsequenz eines immer schwierigeren Zugangs zu Immobilieneigentum.

 

Betrachten wir die Immobiliendienstleistungen (Hausverwaltung, Verwaltung und Vermietung von Stockwerkeigentum), wird hier noch weitgehend der Status quo verteidigt. Aber die Dinge beginnen sich zu ändern. In den letzten Jahren haben wir eine Wiederbelebung des Sektors durch die Ankunft neuer Marktteilnehmer erlebt, die die Geschäftsmodelle überdenken. Die Lethargie der etablierten Marktteilnehmer, gepaart mit fehlender Regulierung, macht sie zu einem idealen Nährboden für Veränderungen. Und wie so oft wurde die Innovation von Akteuren ausserhalb des Sektors vorangetrieben, die weder Besitzstände noch Interessenkonflikte oder Zwänge haben. Die entstandenen Unternehmen haben also ihr Geschäftsmodell am Konsumenten ausgerichtet, mit einer stärkeren Nutzung der Vorteile digitaler Technologien und Informationstechnik, um effektivere, transparentere und letztendlich vorteilhaftere Lösungen für den Endkunden bereitzustellen, der der Gewinner dieser Entwicklungen ist, mit seiner durch diese Innovationen gestiegenen Kaufkraft!

 

Der Zwang zur Differenzierung

All dies geschieht schliesslich, weil sich die Bedürfnisse geändert haben. Unternehmen müssen sich auf einen Verbraucher einstellen, der Zugang zu einer Vielzahl von Dienstleistern hat und alle Möglichkeiten besitzt, entspannt vom Sofa aus alle zu vergleichen. Man versteht schnell, dass es unumgänglich ist, sich zu differenzieren, um in einem solchen Kontext erfolgreich zu sein. Aber es ist immer noch notwendig, diese Differenzierung in einem Umfeld der Hyperkommunikation zu vermitteln, in dem sich die Trennung von des Wahren vom Falschen oft als sehr schwierig erweist. Gelingt den Unternehmen dieser doppelte Kraftakt, müssen sie dennoch transparent mit dem Konsumenten kommunizieren und eine hohe Servicequalität erbringen, eine unabdingbare Voraussetzung für ihre Zukunftsfähigkeit.


Schnelle Links:

  1. Aufgezwungene Evolution
  2. Der Zwang zur Differenzierung

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