Was ist die Gebäudeversicherung?
Die Gebäudeversicherung schützt Immobilienbesitzer in der Schweiz vor den finanziellen Folgen von Feuer- und Elementarschäden am Gebäude. Sie ist eine der wichtigsten Versicherungen für Eigentümer von Häusern und Wohnungen – und in den meisten Kantonen obligatorisch.
Die Schweiz hat ein weltweit einzigartiges System der Gebäudeversicherung: In 19 von 26 Kantonen besteht ein kantonales Monopol. Die kantonale Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) versichert dort alle Gebäude obligatorisch gegen Feuer und Elementarschäden. In den sieben Kantonen ohne Monopol (Genf, Tessin, Wallis, Appenzell Innerrhoden, Uri, Schwyz und Obwalden) muss der Eigentümer eine private Gebäudeversicherung abschliessen.
Was deckt die Gebäudeversicherung?
Die Gebäudeversicherung deckt Schäden am Gebäude selbst – Mauern, Dach, Fassade, fest eingebaute Installationen – durch Feuer (Brand, Blitzschlag, Explosion) und Elementarereignisse (Hochwasser, Überschwemmung, Sturm, Hagel, Lawinen, Erdrutsch, Felssturz, Schneedruck). Die Deckung umfasst in der Regel die Reparatur- oder Wiederaufbaukosten bis zur Höhe der Versicherungssumme.
Nicht gedeckt sind Schäden am Hausrat (dafür braucht es eine Hausratversicherung), Haftpflichtansprüche Dritter (Gebäudehaftpflichtversicherung), Schäden durch mangelhaften Unterhalt, Erdbeben (in den meisten Kantonen nur über einen Zusatz versicherbar) sowie Schäden durch Grundwasser (in vielen Kantonen nicht gedeckt).
Kantonale Gebäudeversicherung vs. private Versicherung
In den Kantonen mit kantonalem Monopol ist die Versicherung unkompliziert: Jeder Eigentümer ist automatisch bei der GVA versichert, die Prämie wird direkt in Rechnung gestellt. Die Prämien sind in der Regel günstiger als bei privaten Versicherungen, weil die GVA keinen Gewinn erzielen muss und von Skaleneffekten profitiert.
In den Kantonen ohne Monopol muss der Eigentümer selbst eine Feuer- und Elementarschadenversicherung bei einer privaten Gesellschaft abschliessen. Die Prämien sind dort tendenziell höher, und der Eigentümer muss selbst darauf achten, dass die Deckungssumme ausreicht und die Police aktuell ist.
Versicherungssumme richtig festlegen
Die Versicherungssumme entspricht dem Neuwert des Gebäudes – also den Kosten, die ein Wiederaufbau des Gebäudes in vergleichbarer Qualität erfordern würde. Bei den kantonalen Gebäudeversicherungen wird die Versicherungssumme periodisch angepasst. Eigentümer sollten dennoch prüfen, ob die Summe nach grösseren Renovationen oder Anbauten noch ausreicht – eine Unterversicherung führt im Schadensfall zu einer reduzierten Auszahlung.
Bei Stockwerkeigentum versichert die Gebäudeversicherung das gesamte Gebäude inklusive aller Wohnungen. Die Prämie wird über die Gemeinschaftskosten auf alle Eigentümer verteilt.
Was kostet die Gebäudeversicherung?
Die Prämien variieren je nach Kanton, Gebäudetyp, Bauweise und Lage. In den kantonalen Monopolkantonen liegen die Prämien typischerweise bei CHF 0,5 bis 1,5 pro CHF 1'000 Gebäudeversicherungswert pro Jahr. Für ein Einfamilienhaus mit einem Versicherungswert von CHF 800'000 entspricht das einer Jahresprämie von CHF 400 bis 1'200. In den Kantonen mit privater Versicherungspflicht können die Prämien höher liegen.
Die Prämie wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst: Die Bauweise (Massivbau ist günstiger als Holzbau), die Lage (Gebiete mit hohem Hochwasser- oder Sturmrisiko sind teurer), die Nutzung (Wohnen ist günstiger als Gewerbe) und allfällige Zusatzdeckungen (etwa Erdbeben).
Gebäudeversicherung und Immobilienverkauf
Beim Verkauf einer Immobilie geht die kantonale Gebäudeversicherung automatisch auf den neuen Eigentümer über. Bei privaten Gebäudeversicherungen muss der Übergang im Kaufvertrag geregelt werden. Der Verkäufer sollte sicherstellen, dass die Versicherung bis zum Übergabetermin besteht, und der Käufer, dass ab der Übernahme lückenloser Versicherungsschutz gewährleistet ist.
Erdbebenversicherung: Die vergessene Lücke
Erdbeben sind in der Schweiz ein reales Risiko – insbesondere im Wallis, in Basel und in der Zentralschweiz. Dennoch sind Erdbebenschäden in den meisten kantonalen Gebäudeversicherungen nicht gedeckt. Der Schweizerische Pool für Erdbebendeckung bietet eine Zusatzversicherung an, die von den kantonalen Gebäudeversicherungen vermittelt wird. Die Prämien sind moderat: CHF 50 bis 200 pro Jahr für ein Einfamilienhaus. Angesichts der potenziellen Schadenssumme – ein Erdbeben der Stärke 6 könnte in der Schweiz Schäden von über CHF 10 Milliarden verursachen – ist die Erdbebenversicherung eine sinnvolle Ergänzung, die viele Eigentümer übersehen.
Fazit
Die Gebäudeversicherung ist für Immobilienbesitzer in der Schweiz eine der wichtigsten Absicherungen. In den meisten Kantonen ist sie obligatorisch und deckt Feuer- und Elementarschäden am Gebäude. Prüfen Sie regelmässig, ob die Versicherungssumme dem aktuellen Neuwert entspricht – insbesondere nach Renovationen und Anbauten. Die Prämien sind im internationalen Vergleich moderat und stehen in keinem Verhältnis zum Schadensrisiko.